Was ist digitales Rechtemanagement (DRM)?
Digitales Rechtemanagement nutzt Verschlüsselung, Lizenzierung, Authentifizierung und Wiedergaberichtlinien, um den Zugriff auf digitale Inhalte zu kontrollieren. DRM-Systeme können einschränken, wie geschützte Software, Videos, Audiodateien oder andere Werke genutzt und verbreitet werden.
So funktioniert digitales Rechtemanagement (DRM)
Beim Videostreaming besteht DRM aus drei zusammenwirkenden Teilen. Ein Packager verschlüsselt die codierten Medien mit einem Inhaltsschlüssel und schreibt Signalisierungsdaten, die den Schlüssel anhand seiner Schlüssel-ID identifizieren. Ein Lizenzdienst, den der Inhaltsanbieter selbst oder ein Dienstleister für ihn betreibt, entscheidet, ob ein bestimmter Client diesen Schlüssel erhalten darf und unter welchen Bedingungen, etwa einer Ablaufzeit, einem Mindestsicherheitsniveau des Clients oder einem erforderlichen Ausgabeschutz. Ein Content Decryption Module (CDM), das die Browser- oder Geräteplattform bereitstellt, ruft die Lizenz ab, entschlüsselt die Medien und setzt diese Bedingungen durch. Im Browser verbindet die API Encrypted Media Extensions (EME) die Teile: Die Seite leitet Nachrichten zwischen dem CDM und dem Lizenzdienst weiter. Ob ein Zuschauer berechtigt ist, entscheidet das DRM-System nicht selbstständig. Die EME-Spezifikation überlässt Authentifizierung und Autorisierung der Anwendung. Die Dokumentation von Widevine beschreibt einen vom Anbieter betriebenen Proxy, der jede Lizenzanfrage validiert und Geschäftsregeln ergänzt, bevor der Lizenzdienst antwortet. DRM beantwortet zudem eine andere Frage als die Transportverschlüsselung: Wie es in den DASH-IF-Richtlinien heißt, schützt HTTPS nur die Transportverbindung und ersetzt kein DRM.
Wichtige Fakten
- Kann ein DRM-System jedes Gerät erreichen? Nein. EME ist eine gemeinsame API, um ein Schutzsystem zu ermitteln und mit ihm zu kommunizieren. Sie definiert weder ein DRM-System noch ein Lizenzprotokoll. Das einzige System, das jede Implementierung enthalten muss, ist Clear Key. Welches kommerzielle System vorhanden ist, hängt von der Plattform ab: Die Unterstützungsmatrix von Shaka Player führt Widevine für Chrome und Firefox, Widevine und PlayReady für Chromium-basiertes Edge und nur FairPlay für Safari auf. Laut Microsoft unterstützt Edge PlayReady nur unter Windows 10 und neuer. Die eigene Plattformtabelle von Widevine kennzeichnet Desktop-Safari und Apple TV als nicht unterstützt. Dieser Matrix zufolge decken Widevine und FairPlay zusammen alle vier Browser ab. PlayReady ist eine zweite Option in Edge unter Windows. Für Smartphones führt die Tabelle von Widevine Android als unterstützt auf, während die Liste der HLS-Funktionen von Shaka Player FairPlay auf Safari unter macOS und iOS beschränkt. Ein Dienst, dessen Inhalte in allen wichtigen Browsern abspielbar sein müssen, benötigt daher Lizenzen aus mehr als einem System für dieselben Inhalte. Dies wird üblicherweise als Multi-DRM bezeichnet.
- Gilt die HLS-Verschlüsselung mit AES-128 oder die Verschlüsselung mit Clear Key als DRM? Nicht in dem Sinne, den eine Inhaltslizenz üblicherweise voraussetzt. Bei HLS mit
METHOD=AES-128und dem Standardschlüsselformatidentitynennt die Playlist eine URI, von der der Player den Schlüssel als Rohdatei mit 16 Bytes herunterlädt. Jeder Client, der diese URI abrufen kann, besitzt damit den Schlüssel selbst. Der Schutz beruht vollständig darauf, den Zugriff auf die Schlüssel-URL zu kontrollieren. Das Clear-Key-System von EME verwendet ebenfalls unverschlüsselte Schlüssel. Das Shaka-Player-Projekt beschreibt es als Debugging-Werkzeug, das keine tatsächliche Inhaltssicherheit bietet. Keines der beiden Verfahren bringt einen gehärteten Client mit, der den Schlüssel vor der Anwendung abschirmt oder Wiedergabebedingungen durchsetzt. - Warum lässt sich ein geschütztes Video auf einem Gerät abspielen, auf einem anderen aber nicht oder nur mit niedriger Auflösung? Weil eine Lizenz mehr verlangen kann, als das Gerät bietet. PlayReady unterscheidet beispielsweise zwischen softwaregeschützten SL2000-Clients und SL3000-Clients, die Schlüssel und entschlüsselte Videos innerhalb einer hardwaregestützten vertrauenswürdigen Ausführungsumgebung halten. Ein Lizenzserver kann beiden unterschiedliche Auflösungen gewähren. Ein Client lehnt eine Lizenz ab, deren Mindestsicherheitsniveau er nicht erfüllt. Eine Lizenz kann außerdem Ausgabeschutz verlangen: Microsoft nennt als Beispiel eine Set-Top-Box, die Inhalte nicht über HDMI auf einem Fernseher ohne HDCP wiedergibt. EME meldet diesen Fall mit dem Schlüsselstatus
output-restricted. Auch die Paketierung kann ein Hindernis sein, denn laut EME sind unterschiedliche Verschlüsselungsverfahren im Allgemeinen nicht miteinander kompatibel. Testen Sie auf der schwächsten Geräteklasse, die Sie unterstützen möchten, und bieten Sie eine Variante an, deren Anforderungen diese Geräteklasse erfüllen kann. - Was passiert, wenn keine Lizenz mehr abgerufen werden kann? Die Wiedergabe schlägt fehl, sobald das Gerät keine nutzbare Lizenz mehr besitzt, selbst wenn die Dateien intakt sind, denn der Schlüssel wird nur innerhalb einer Lizenz übermittelt. EME schreibt nur die Unterstützung temporärer Sitzungen vor. Deren Lizenz und Schlüssel werden nie gespeichert und beim Schließen der Sitzung gelöscht. Ein erneuter Start danach erfordert daher eine neue Anfrage an den Lizenzdienst. Persistente Lizenzen funktionieren anders: Die Lizenz wird gespeichert, und die Sitzung kann später erneut geladen werden. Darauf baut die Offline-Wiedergabe auf. So lizenzierte Inhalte können weiter abgespielt werden, solange die gespeicherte Lizenz auf dem Gerät verbleibt und ihre Bedingungen dies weiterhin erlauben. EME macht persistente Lizenzen optional. Das Shaka-Player-Projekt weist darauf hin, dass das Speichern von Lizenzen von der Browserunterstützung abhängt. Ein Schlüssel, dessen Ablaufzeit überschritten ist, wird als
expiredgemeldet und kann nicht mehr entschlüsseln. Die verschlüsselten Dateien aufzubewahren, reicht daher allein nicht aus: Langfristiger Zugriff hängt entweder davon ab, dass der Lizenzdienst verfügbar bleibt, oder davon, dass eine gespeicherte Lizenz die Wiedergabe weiterhin erlaubt.
Wann digitales Rechtemanagement (DRM) wichtig ist
Setzen Sie DRM ein, wenn Sie Inhalte mit vertraglichen Zugriffs- oder Wiedergabebeschränkungen verbreiten. Geräteunterstützung, Lizenzverfügbarkeit und Fehler bei der Zugriffsberechtigung können verhindern, dass berechtigte Nutzer ansonsten gültige Medien abspielen.
Quellen
- W3C Encrypted Media Extensions (Geltungsbereich, Clear Key, Robustheit, Schlüsselstatus, Sitzungstypen)
- README von Shaka Player: DRM-Unterstützungsmatrix nach Browser und Plattform
- Überblick über Google Widevine DRM (unterstützte Plattformen, Lizenz-Proxy)
- FairPlay Streaming von Apple
- Microsoft PlayReady: Sicherheitsniveau (SL2000- und SL3000-Clients)
- Microsoft PlayReady: Ausgabeschutzstufen
- Microsoft Edge: Nutzerdaten und Datenschutz, PlayReady DRM (nur unter Windows 10 und neuer unterstützt)
- RFC 8216 (HTTP Live Streaming), Abschnitt 5.1: Aufbau von Schlüsseldateien (EXT-X-KEY und KEYFORMAT sind in Abschnitt 4.3.2.4 definiert)
- DASH-IF Interoperabilitätspunkte v4.3, Kapitel 7: Inhaltsschutz und Sicherheit